Beschäftigt, kannst du nicht entspannen!

Ich sehe Yoga in seiner Gesamtheit aller Yogapfade (hierzu zählen Jnanayoga, Bhaktiyoga, Karmayoga und Hathayoga) als Möglichkeit zum Beispiel eben diesen Unterschied zwischen beschäftigt sein und handeln zu sehen, zu sehen wann sich eine getriebene Beschäftigung vollzieht oder wann spontanes Handeln und zu begreifen. Immer bewußter zu werden und zu sehen was überhaupt alles so läuft im System. Bis dann irgendwann erkannt wird, das was gesehen werden kann, ich nicht bin und es immer stiller und stiller wird.  Folgende Worte haben mich berührt, wahrscheinlich hat etwas tief in mir beim lesen gespürt, das es wahr ist:
„Entspannung ist erst möglich, wenn man verstanden hat, was es heißt, beschäftigt zu sein – und zwar bis in die geheimsten Winkel. Selbst wenn du dich entspannen möchtest, kannst du es nicht, solange du nicht beobachtet, geprüft und begriffen hast, was passiert, wenn du beschäftigt bist. Denn Beschäftigt-sein ist kein einfaches Phänomen. Viele Menschen möchten sich gerne entspannen, können es aber nicht. Entspannung ist wie das Aufblühen einer Blume: es läßt sich nicht erzwingen. Du mußt das ganze Phänomen verstehen – warum du so geschäftig bist, warum du dich so sehr mit Beschäftigungen eindeckst, warum du so besessen davon bist.
Merkt euch zwei Wörter: das eine ist „Handeln“, das andere ist „Beschäftigung“. Handeln ist nicht Beschäftigung, und Beschäftigung ist nicht Handeln. Das sind zwei diametral entgegengesetzte Dimensionen. Handeln entspricht der Situation: du handelst, du gehst auf die gegebenen Umstände ein. Beschäftigung nimmt keine Rücksicht auf das, was die gegebene Situaton erfordert. Du bist innerlich unruhig, daß du die Situation nur zum Vorwand nimmst, um dich zu beschäftigen. …
Seht den feinen Unterschied. Wenn du zum Beispiel hungrig bist, dann ißt du; das ist Handeln. Aber wenn du nicht hungrig bist und trotzdem immerzu ißt, dann ist das Beschäftigung. …
Aber solche Beschäftigungen zeigen nur, daß du getrieben wirst. Du kannst nicht bei dir selber bleiben, du kannst nicht stillbleiben, du erträgst es nicht unbeschäftigt zu sein. Durch deine Geschäftigkeit hast du ein ständiges Ventil für den Wahnsinn in dir, deinen Irrsinn. Handeln ist etwas Herrliches, handeln ist ein spontanes Eingehen auf die Umstände – das Leben erfordert spontane Antworten. Jeden Augenblick mußt du handeln, aber dieses handeln kommt aus dem gegebenen Augenblick. Du bist hungrig und kümmerst dich um Nahrung. Du bist durstig und gehst zum Brunnen. Du bist müde und legst dich schlafen. Du handelst ganz aus der Situation heraus – so wie sie ist. Handeln ist spontan und total. Geschäftigkeit ist niemals spontan, sie kommt immer aus der Vergangenheit. Sie mag sich über Jahre hin aufgestaut haben: jetzt ergießt sie sich in die Gegenwart – ohne jeden Bezug dazu. Aber der Verstand ist nie um schlaue Erklärungen verlegen, wenn es darum geht solche Geschäftigkeit zu rationalisieren. Der Verstand findet immer Mittel und Wege, nachzuweisen, das es sich nicht um sinnlose Beschäftigung handelt, sondern um notwendige Handlungen. …
Wenn du so beschäftigt bist, kannst du dich nicht entspannen. Wie denn auch? Deine Beschäftigung ist so zwanghaft, du mußt etwas tun, ganz gleich, was es ist.“ (Quelle: Tantra – die höchste Einsicht (niedergeschrieben während mehrerer Vorträge von Osho zwischen dem 11. und 20. Februar 1975 in Indien).
Namasté
Nishanka

 

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